Seit 2022 digitale Stationen für Schulklassen mit dem Makerspace vspace.one, 2026 ein 3D-Ausgrabungsspiel und Rekonstruktionen aus Museumsfotos.
Ergebnis
Laut Projektseite des Museums stehen drei der sechs Digitalstationen zum Ausprobieren bereit, die fünfte zur Archäologie ist noch in Konzeption. Beim Abschluss von „Museen im Wandel III“ in Stuttgart stellten die Museumsleiterin und ich das Projekt gemeinsam vor. Die MFG stellte das Vorgehen bei einer Herbsttagung des Museumsverbands Baden-Württemberg als Erfolgsrezept vor. Aus dem Jahr 2026 stammen zwei spielbare Fassungen der Spielstation, drei 3D-Modelle aus Museumsfotos und eine druckfertige Datei eines Tonhahns. Die Spiele sind in Deutsch, Englisch und Französisch vertont und im Browser getestet. Offen ist noch der Test auf einem echten Raspberry Pi 5.
Ausgangslage
Im März 2022 erhielt das Dominikanermuseum Rottweil die Zusage für „Museen im Wandel III“, ein Programm des Kunstministeriums Baden-Württemberg, in dem die MFG Baden-Württemberg die Museen mit Coachings begleitet. Im Projekt „Römisches Rottweil – Digital nach Arae Flaviae“ sollten digitale Stationen für 6. Klassen in der Römer-Abteilung entstehen. Offen war, wie sich die Ideen technisch umsetzen lassen, ohne die Inhalte zu vernachlässigen. Unterstützung dafür suchte das Museum beim Makerspace vspace.one in Villingen. Später sollte eine Themenstation „Ausgrabung“ dazukommen. Laut Konzept für die Museumsleitung sollte sie auf einem Raspberry Pi mit Touchdisplay laufen und die archäologische Methode zeigen, nicht die Schatzsuche. Das Spiel richtet sich vor allem an Kinder unter 12 und soll ohne Erklärung verständlich sein. Als Vorlage schickte das Museum Fotos von drei Objekten: ein römisches Gesichtsgefäß aus Ton sowie ein Vierkantfläschchen und einen Becher mit Zapfendekor aus Glas.
Was gebaut wurde
Das Projekt mit dem Dominikanermuseum Rottweil hat zwei Phasen.
Digitale Stationen für Schulklassen (seit 2022). Im Rahmen von „Museen im Wandel III“ entwickelt das Museum digitale Stationen für 6. Klassen in der Römer-Abteilung. Seit November 2022 arbeiten Mitglieder des Makerspace vspace.one daran mit. Ich bin von Anfang an Projektleiter auf Seiten von vspace.one. Das Museumsteam bringt Inhalt und Ablauf ein, vspace.one die technische Umsetzung. Die Münzstation, an der Schülerinnen und Schüler mit einer Anwendung des vspace.one-Teams eigene Münzen gestalten, wurde die erste öffentlich nutzbare Digitalstation der Römer-Abteilung. Weitere Stationen behandeln das Orpheus-Mosaik mit Szenen vor dem Greenscreen, Militär und Kastell, den Handel im Römischen Reich und das Leben im Lagerdorf, wo Besucher selbst einen Stop-Motion-Film drehen. Bei einem Schülertest, der auch Tipps für die fünfte Station zur Archäologie lieferte, kam ein von vspace.one erstelltes Demo einer virtuellen Ausgrabung zum Einsatz. Erprobt wurde ab Dezember 2022 mit Schulklassen, später auch öffentlich.
Die Spielstation „Ausgrabung“ (2026). Für die Themenstation „Ausgrabung“ habe ich 2026 mit Claude Code ein Spiel gebaut. Ausgangspunkt ist eine Tatsache der Archäologie: Meist findet man nur Scherben. In Version 1, „Flavius und die Scherben“, setzen Kinder ein römisches Gesichtsgefäß aus seinen echten Bruchstücken zusammen. Das Gefäß spricht selbst als „Flavius“ und hilft gestaffelt, wenn ein Kind nicht weiterkommt. Eine Runde ist auf 5 bis 10 Minuten angelegt. Version 2, „Die große Ausgrabung“, ist auf etwa 30 Minuten angelegt: graben, jeden Fund mit Fähnchen und Fundzettel dokumentieren, danach in der Werkstatt restaurieren. Statt einer Rangliste gibt es ein bis drei Sterne. Beide Fassungen laufen ohne Build-Schritt im Browser und sind für einen Raspberry Pi 5 mit Touchscreen ausgelegt. Version 1 können Sie hier im Browser spielen, auf Deutsch oder Englisch.
3D-Rekonstruktionen aus Museumsfotos. Aus Fotos des Museums entstanden Modelle von drei Objekten: dem Gesichtsgefäß, einem Glasfläschchen und einem Becher mit Zapfendekor. Für jedes Modell ist festgehalten, was gemessen, was abgeleitet und was angenommen ist. Die Vergleichsbilder oben zeigen Foto und Modell aus derselben Blickrichtung. Die Modelle sind zugleich die Fundstücke im Spiel.
Ein Hahn für den 3D-Druck. Eine kleine Hahn-Figur aus Ton wurde aus fünf Fotos als druckfertige STL-Datei aufgebaut. Die Umrisse des Modells stimmen je Ansicht zu 87 bis 94 % mit den Fotos überein. Im Spiel liegt der Hahn ebenfalls als Fund im Boden.
Die Stationen seit 2022 sind Gemeinschaftsarbeit des Museumsteams und mehrerer Mitglieder von vspace.one. Spielstation, 3D-Modelle und Hahn entstanden 2026 mit Claude Code: Code, Scherben-Pipeline, 3D-Aufbereitung und Texte. Ich habe dabei die Entscheidungen getroffen, gespielt, Rückmeldungen gegeben und nachbessern lassen. Version 2 ist online nicht öffentlich zugänglich. Den Projektverlauf seit 2022 dokumentiert das Museum auf seiner Projektseite zu „Museen im Wandel“.